Küchenhaustier – Tibicos dein Wasserkefir

Das perfekte Küchenhaustier für Fermentationseinsteiger und Seltenzuhauseseier. Tibicos ist keine verschmuste Stubenkatze. Ein Sträuner, der sich gut und gern mit sich selbst beschäftigt. Manchmal etwas schüchtern am Anfang, ansonsten ein sehr wohlwollender Charakter, der viel verzeiht. Tibicos produziert ein vielfältiges Getränk: Wasserkefir.

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Besonderheiten: Tibicos produziert eine Art natürlicher Limonade. Die Zubereitung entscheidet über den Kohlensäuregehalt und die Geschmacksrichtung. Da grundsätzlich nichts erhitzt wird, beinhaltet Wasserkefir Lebendkulturen, mit einem hohen gesundheitlichen Wert.

Wasserkefir kann sehr variabel eingesetzt werden. Eine Bereicherung für eine experimentierfreudige pflanzliche Küche und ein guter Ersatz für Molke als Starter.

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Einzug: Wasserkefir Knöllchen in ein geeignetes Gefäß (Glas, Keramik) geben. Zucker, Wasser und nach belieben (Trocken-) Früchte hinzugeben. Nach zwei bis drei Tagen ist dein erster Wasserkefir genussfertig. Gieße hierfür die Flüssigkeit in eine Karaffe und probiere sie! Die Knöllchen bleiben im ersten Gefäß und werden von dir wieder mit neuem Wasser und Zucker versorgt. Das ist auch schon die ganze Zauberrei. Im folgenden findest du Tipps, genauere Hinweise und Anregungen für den richtigen Umgang mit Tibi.

Haltung:
Wasserkefir lebt von Zuckerwasser und Liebe. Das mit der Luft ist dem Symbiont aus Hefe und Bakterien nicht ganz so wichtig. Ob in einem fest verschlossenen Gefäß oder in einem Offenen, Tibi lässt sich da ganz auf deine Vorlieben ein. Wie alle Küchenhaustiere schätzt Tibi ein sauberes Zuhause. Bei der Haltung in offenen Gefäßen ist darauf zu achten, dass keine Fremdpartikel oder Insekten an dein Küchenhaustier kommen! Am einfachsten, geht das mit einem Küchentuch und einem Gummiband.

Wie alle Küchenhaustiere, freut sich Tibi über Rituale. Eine regelmäßige Fütterung und ein Wasserwechsel ist anzuraten. Gute Erfahrungen wurden mit Zwei- bis Dreitages Zyklen gemacht.

Besonderer Tipp: Halte Tibicos in der Basisnahrung (siehe unten) und verwände nur die Flüssigkeit, in einem seperaten Gefäß,  für weitere Fermentationsexperimente. So verhinderst du die Verunreinigung deiner Wasserkefir Knöllchen.

Fütterung:

Die Basisnahrung ist gesüßtes Wasser.

Sandor Katz rät in the Art of Fermentation pro Teelöffel Wasserkefir Knöllchen einen Liter Wasser und eine halbe Tasse Zucker zu verwenden. Ich nutze mangels größerer Gefäße ein höheres Verhältnis von Knöllchen zu Wasser und gieße den Zucker frei aus der Hand dazu, meist so, dass die Knöllchen bis mindestens zur Hälfte mit Zucker bedeckt sind.

Haushaltszucker, Melassen, Agavendicksaft und Honig sind einige der möglichen Zuckerlieferanten. Tibicos ernährt sich von dieser Süße und wandelt sie um, im Endprodukt findet sich kaum Zucker. Die Größe, Anzahl und Aktivität von den Wasserkefir Knöllchen kann stark variieren. Wie viel Zucker und Wasser du für deinen Wasserkefir verwenden solltest, findest du durch ausprobieren und Geschmacksproben heraus. Wirklich was falsch machen kannst du nicht!

Zuckerwasser ist zwar die Basisnahrung von Tibi, besonders anregend ist das aber nicht für euch beide. Mehr Spaß macht es, wenn du Trockenfrüchte  hinzugibst. Am verbreitetsten ist es, eine halbe Zitrone und eine getrocknete Feige hinzuzugeben. Diese Zugaben müssen nicht alle zwei Tage gewechselt werden. Alle Formen von Fermentation sind eine Art der Konservierung. Die hinzugegebene Bio – Zitrone und Bio – Trockenfrucht halten sich im Wasserkefir Wochen.

Leckerli:

Ingwer stärkt das Wachstum von Tibicos und trägt zu einem interessanteren Geschmack bei.

Wasserkefir mag kalkhaltiges Wasser.

Wasserkefir ist ein sehr lebhaftes und anpassungsfähiges SCOBY. Du kannst damit fast jede Flüssigkeit fermentieren, solange genug Zucker für deine Knöllchen vorhanden ist. Tausche Wasser durch frische Frucht- oder Gemüsesäfte aus, oder nimm, ähnlich zu Kombucha, Tee oder Filterkaffee und schau was passiert. Wenn du Angst hast, dass deine Knöllchen sich dadurch verfärben oder eventuell beeinträchtigt werden, kannst du auch die Wasserkefirflüssigkeit in die Säfte mischen und deine Knöllchen in ihrem Heim mit neuem Zuckerwasser ruhen lassen.

Für eine sehr starke Ingwerlimo: Koche kleingeschnittenen Ingwer und etwas Kardamon mit Wasser zu einem starken Sud. Lasse diesen Abkühlen und gib ihn mit Zucker zu Tibicos. Für mehr Lebendigkeit gebe ich jetzt noch ein paar Stücke frischen Ingwer hinzu.

Eine weitere Variante ist die Veredelung mit frischen Früchten. Dazu füllst du nach zwei – drei Tagen den fertigen Wasserkefir ebenfalls ohne Knöllchen in ein zweites Gefäß mit breiter Öffnung. Jetzt einfach die Früchte (festes Obst wie Äpfel, Pflaumen, Ananas oder Apriokosen/Marillen klein schneiden und entkernen) hinzugeben. Nach weiteren 1 – 2 Tagen ist dein Frucht-Wasserkefir Getränk fertig. Ich habe bis jetzt mehr mit der Gemüsefermentation mit hilfe von Tibicos experimentiert, zur genauen Beschreibung der Fruchtvariante, schaut euch am Besten nochmal den Blogeintrag von Adnan an, von dem ich auch meinen ersten Tibi im Austausch bekommen habe.

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Der CO2 Faktor:

Wie blubbert das? Ich bevorzuge meine Getränke ohne Kohlensäure oder mit ganz wenig. Zuviel Kohlensäure verträgt mein Magen einfach nicht. Für einige braucht eine Limo aber den Blubbereffekt. Und auch hier lässt dich Tibicos nicht im Stich!

Der Trick ist ganz einfach: Je schmaler die Öffnung des Gefäßes ist, desto mehr Kohlensäure bleibt im Getränk, desto größer die Öffnung, desto weniger Kohlensäure… Wenn du es sehr spritzig magst, fülle den fertigen Wasserkefir in eine verschließbare Flasche. Achtung Explosionsgefahr! Deswegen bevorzuge ich für diesen Fall ausnahmsweise Plastikflaschen. Wenn der Kefir eingefüllt ist, drücke ich die Flasche zusammen und schraube dann erst den Deckel drauf. So hat die Kohlensäure schonmal mehr Platz um sich auszubreiten, ohne die Flasche stark auszubeulen oder gar zu sprengen. Gefäße mit Bügelverschluss sind auch gut geeignet, da sie einen Gasaustausch zulassen.

Krankheiten:

Auch Tibicos kann mal krank werden, ist aber eigentlich sehr anspruchslos. Die wichtigsten Schritte, um das zu vermeiden, sind Reinlichkeit und regelmäßige Pflege. Ich habe den Härtetest mit meinem Wasserkefir gemacht und einen Teil über 3 Monate in der gleichen Flüssigkeit stehen lassen. Das ganze war danach sehr milchig, leicht gelblich, übersättigt und hatte einen Essiggeruch. Ein paar Waschungen später (immer wieder mit frischem Wasser durchspülen, abseihen, gut durchschütteln, neues Wasser hinzugeben) und einer Zuckerkur ohne jegliche anderen Zusätze, hat sich Tibicos selbst nach dieser sträflichen Misshandlung wieder bekrabbelt.

Urlaub:

Wenn Ihr mal ein bisschen Abstand von Tibi braucht, oder auf Reisen geht:

Variante 1: Die Knöllchen mit einem starken Zuckerwasser in ein kleines Gefäß füllen und in den Kühlschrank stellen. So hällt er sich ein paar Wochen.

Variante 2: Die Knöllchen mit ein bisschen Flüssigkeit einfrieren.

Variante 3: Die Knöllchen in der Sonne/ im Dörraparat trocknen und trocken aufbewaren.

Variante 4: Wer super sicher gehen will, trocknet die Knöllchen erst und friert sie dann ein, so halten sie sie mehrere Monate, wenn nicht länger.

Variante 5: Einen Küchenhaustiersitter auftuen und Tibicos in deren Obhut hinterlassen.

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Purple Eat – wo gutes tun gut schmecken kann

Heute ist Tierfreitag. Dieses Mal möchte ich ein besonderes Wiener Beisl vorstellen. Hier finden sich auf der wöchentlich wechselnden Karte gute rein pflanzliche Bio – Gerichte. Hier wird von Herzen gekocht. Ein Besuch lohnt sich.

Lust auf eine Weltreise, aber die Zeit ist knapp und das Geld sowieso?
Warum dann nicht mal schnell kulinarisch die Welt bereisen? In einer Weltstadt wie Wien kann man sich durch die unterschiedlichsten Länderküchen kosten. Doch dafür müsste man dann immer das Restaurant wechseln, verbraucht auch Zeit und Geld…
Seit diesem Frühjahr gibt es im Purple Eat, ein Beisl am Meidlinger Markt, eine angenehme Lösung für Menschen, die sich mit diesem Problem plagen. Ganz nebenbei werden auch noch andere, wesentlichere, Probleme angegangen.

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Das Beisl hat nämlich nichts mit klassischer Gastronomie zu tun. Es ist ein Projekt des angrenzenden Vereins Purple Sheep, ein Verein zur Förderung und Einhaltung der Rechte von AsylwerberInnen und Fremden. Unterstützt wird durch Rechtsberatung, öffentlichkeitswirksame Aktionen und dem Freunde Schützen Haus. Ein Schutzhaus für in Österreich integriert lebende Familien, denen die Abschiebung droht.

Familien aus den unterschiedlichsten Orten dieser Welt, mit den verschiedensten Geschichten. Und genau diese Familien kochen nun am Meidlinger Markt. Unterstützt von Freiwilligen Helfer_Innen. Die Stimmung ist immer äußerst herzlich, von Freunden für Freunde sozusagen. Die Gerichte internationale Hausmannskost.

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Angeboten werden zwei Menüs, täglich von 11 – 21 Uhr. Gewählt werden kann immer zwischen zwei Gerichten. Mindestens eine davon ist vegetarisch, immer häufiger auch vegan. Aus Bio-Zutaten frisch gekocht wird im Freunde Schützen Haus, angerichtet und serviert im Purple Eat am Meidlinger Markt. Das ganze Menü gibt es für eine Mindestspende von 7€, die komplett in die Unterstützung der Betroffenen fließt. Gekocht wurde unter anderem bis jetzt:

Kartoffel-Gemüse Auflauf (Mazedonien) -Vegetarisch

Indischer Linseneintopf mit Basmatireis (Vegan)

Melanzani Linsentopf mit Basmatireis (Vegan)

Chinesische Teigtaschen gedämpft mit Gemüse (Vegetarisch)

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Dieses  besondere Konzept wird durch eine ausgefallene Getränkekarte unterstützt. Lauter ausgezeichnete Weine und insbesondere delikate Vodkaspezialitäten. So auch den bei der International Wine & Spirits Comeptition mit Gold ausgezeichneten Vodka der mostviertler Destillerie Farthofer.

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Für den Service werden Freiwillige gesucht. Einfach beim Purple Sheep anrufen und fragen, wann jemand gebraucht wird. Wenn man sich einen fixen Tag in der Woche Zeit nehmen kann, wäre das am Besten. Flexibilität und Offenheit sind die wichtigsten Eigenschaften, die man braucht. Alles andere kann man vor Ort lernen. Ich habe auch schonmal ausgeholfen und es war ein echt spannender und intensiver Tag. Ein guter und einfacher Weg sich ein bisschen Gastro- und Baristaerfahrung anzueignen 🙂

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Purple Eat am Meidlinger Markt
U6 Niederhofstraße
Lila Marktstand auf der Seite Rosaliagasse

Mo- Sa von 11.00 – 21.00, durchgehend warme Küche
Tagesgericht mit Vor/Nachspeise und Salat um 7 Euro
Kleine Speisen um 4 Euro
Kaffee um 2,50 Euro

Kontakt: 0660.6808727
Email: office@purplesheep.at

Weitere Infos zum Verein und der aktuelle Wochenmenüplan

Tropfen auf den heißen Stein – Noch ein Foodblog

„Wie kann man nur so viele Worte über Essen verschwenden?“ „ Es gibt doch weit aus wichtiger Dinge, als die Frage was ich esse. Ich gehe mittags in die Mensa/Kantine und da ist mir egal was das ist. Hauptsache es ist nicht zu teuer und ich werde satt davon.“

Ich kenne viele Leute, die die Augen über uns „Genussmenschen“ verdrehen. Für mich bedeutet, sich über Essen zu unterhalten und der Essvorgang als solcher viel mehr, als das bloße Essen essen. Jeder Happen, den wir in uns hineinschieben, ist eine Entscheidung.

Eine Entscheidung für oder gegen unsere Gesundheit. Eine Entscheidung über den Umgang mit lebensnotwendigen Ressourcen, wie Wasser, Land, Bodenqualität und Vielfalt. Eine Entscheidung für oder gegen unsere Selbstständigkeit.

Ich würde mir wünschen, dass diese Entscheidung häufiger bewusst gefällt wird. Diese unwichtig wirkenden, oft passiv getroffene Entscheidungen bestimmen aktiv die Entwicklungen in unserer Welt. Durch unsere Wahl geben wir Lebensmitteln, Herstellungs-prozessen, Darreichungsformen und sogar Geschmäckern unterschiedlich viel Zustimmung oder Ablehnung.

Aus vielen Gemüsesorten wurden Bitterstoffe heraus gezüchtet, um sie dem Kunden angenehmer zu machen. Die Idee Geschmäcker erlernen und für sich erobern zu müssen scheint uns verloren gegangen zu sein. Pflanzen und Tiere müssen sich unseren optischen Anforderungen unterwerfen. Lebensmittelproduzenten richten sich (zu einem gewissen Maß) nach den Vorlieben von uns Kunden. Das Merkmal, durch welches wir uns bei der Kaufentscheidung beeinflussen lassen, wird weiter ausgebaut werden, um größere Gewinne zu erzielen. Wenn wir uns aus Mangel an einem Bewusstsein für die wahren Faktoren der Qualität einer Ware von monetären Anreizen leiten lassen, ist es kein Wunder, dass wir schon bald endgültig an der Massenindustrie ersticken werden.

Es liegt in unserer Macht, uns gezielt von falschen Dogmen zu befreien.

Wir müssen uns eine Selbstständigkeit, die die Thema Ernährung und Lebensmittelherstellung betrifft neu erarbeiten. Selbstständigkeit bedeutet nicht, dass wir alle Schritte der Lebensmittelherstellung wieder zurück in eine Hand nehmen und alles selbst machen müssen. Selbstständigkeit bedeutet, dass wir die grundlegenden Prinzipien verinnerlicht haben und somit in der Lage sind qualifizierte Entscheidungen zu treffen.

So ist ein Reinigungsdienst für Hemden und Mäntel durchaus eine sinnvolle Dienstleistung in unserer Gesellschaft. Hemden und Mäntel sind Kleidungsstücke, die in ihrer Handhabe zeitaufwändig sind und eine gewisse Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Materialien benötigen. Nicht jeder von uns muss dies selbst erledigen. Der Nutzen ist häufig höher, wenn ich diesen eingesparten (Zeit-) Aufwand anderweitig investieren kann. Dennoch wird mir wohl keiner widersprechen, dass es von Vorteil ist, wenn man gelernt hat, wie das Prinzip „Wäsche waschen“ als solches funktioniert und was „sauber“ im Bezug auf Kleidung bedeutet. Somit bedeutet Ernährungsselbstständigkeit nicht, dass ich jegliches Nahrungsmittel selbst hergestellt haben muss. Ich sollte jedoch in der Lage sein zu definieren, was dieses Nahrungsmittel ausmacht und Fähigkeiten entwickelt haben um Qualitätsunterschiede selbst festzustellen. Diese Ernährungs-Mündigkeit ist ein Schritt zur Unabhängigkeit von fragwürdigen Trends der Lebensmittelindustrie.

Das Wissen über den richtigen Umgang mit Lebensmitteln ist ein enormer Kulturschatz. Jahrtausende hat die Kenntnis über gute und schlechte Lebensmittel und deren Lagerung über das Überleben des Einzelnen entschieden. Diese Wichtigkeit hat keines Wegs abgenommen, wir haben sie nur aus den Augen verloren.

Es ist Zeit diese ausgelagerten Fähigkeiten wieder selbst zu entdecken. Das tolle am Essen ist ja auch, dass man sich quasi durch das Kochen für die Mühen selbst belohnt. Nichts schmeckt besser, als die Früchte der eigenen Arbeit zu genießen. So hatten wir in der Grundschule eine Einheit zu Kürbissen. Zu unserem Schulhof gehörte ein Gemüsebeet, in dem wir dafür unterschiedliche Kürbisse angepflanzt haben. (Ist nicht besonders schwer und sehr ergiebig.) Als die Zeit reif war, wurden die Kürbisse von uns geerntet und ein Kürbisfest gefeiert. Die dort gekochten Kürbissuppen waren die besten Suppen ihrer Art die wir Kinder je gegessen haben. Viele Eltern waren regelrecht genervt von der teils wochenlang anhaltenden Kürbisfixierung. Als meine Mutter dann extra für mich die Kürbissuppe gekocht hat, hat sich mein siebenjähriges ich wieder daran erinnert, dass es ja keinen Kürbis mag. Die Kürbissuppe in der Schule war deshalb so ein Geschmackserlebnis, da ich sie zusammen mit meinen Freunden von Anfang bis Ende selber gemacht hatte. Die pingeligsten Kinder essen plötzlich die erstaunlichsten Dinge, wenn ihnen erlaubt wird mitzuhelfen.

Ernährungsmündigkeit startet für mich nicht bei der Meisterung hochtrabender Gerichte (wobei das auch toll ist), sondern in der Fähigkeit Lebensmitteln ihren Namen zuordnen zu können und zu wissen, wie man mit ihnen umgehen kann. Ein großer Punkt ist dabei die Frage danach, was ich vom Gemüse überhaupt wegschneiden muss und als Abfall deklariere. Sind diese Schnibbelreste wirklich als Abfall anzusehen, oder kann ich mit ihnen noch etwas anderes machen? Ab wann ist ein Lebensmittel wirklich nicht mehr genießbar? Mindesthaltbarkeitsdaten geben darüber keine Auskunft. Und wie kann ich meine Einkäufe so lagern, dass sie vielleicht erst gar nicht anfangen können zu verderben?

Auf diese Fragen antworten zu finden ist heutzutage garnicht mehr schwer. Eins haben sie aber alle gemein, häufig ist Erfahrung das Schlüsselwort. Erst wenn ich etwas selber ausprobiert habe, kann ich es wirklich ins kleinste Detail beginne zu verstehen. Und wenn es beim ersten Mal nicht ganz perfekt gelaufen ist, dann geht es beim zweiten sicher schon besser und beim 20ten Mal habe ich die Antwort auf meine Frage verinnerlicht und vielleicht sogar schon neue Fragen aufgespürt.

Kochen ist ein Lernprozess. Aber als Belohnung gibt es Kuchen*!

* Lieblingsspeise von Euch einsetzten

#Tierfreitag

Gemüse?! Das ist doch nur Beilage!

Es ist spät Nachts. Ich sitze in einer dunklen, verrauchten Bar in Wien. Neben mir am Tresen einige Küchenchefs und Jungköche. Schon seit Stunden diskutieren wir über unser Lieblingsthema: Essen.

Wie immer bei solchen Gesprächen fällt irgendwann auf, dass ich Vegetarierin bin. Und auch hier wieder: Ungläubiges bestaunen. Obwohl es vegetarische Gerichte an jeder Ecke gibt und es keinen Text gibt, der über dieses Thema nicht geschrieben wurde, aufgeregt wird sich trotzdem. Ihr glaubt mir nicht? Dann erzählt selber mal, dass ihr kein Tier esst… Egal wem. Es werden sich mehr Leute verwundert anstellen als ihr annehmt. Sogar, wenn ihr euch nicht rein pflanzlich, also vegan, ernährt, sondern „nur“ auf totes Tier im Essen verzichtet.

Gerade von Menschen, die sich als Genussmenschen oder Experten am Herd bezeichnen wird vegetarische und vegane Ernährungsweise als frevelhafter Verzicht wahrgenommen. Eine der Hauptannahmen dahinter, scheint mir, dass man nur mit Fleisch und tierischen Produkten leckere Gerichte zubereiten kann. Aber nur mit Gemüse kochen? Unvorstellbar. „Gemüse das ist eine Beilage und so soll es bleiben.“ wirft mir mein Nachbar an der Bar entgegen. Er: Küchenchef eines renommierten Wiener Hotels. Gemüse als Hauptrolle eines Gerichts ist für diesen Koch unvorstellbar.

Was wird dieser Koch, und alle anderen Fleischverfechter zum neuen Tierfreitag sagen?

Vermutlich wird er die Idee gar nicht so schlecht finden. Der Tierfreitag existiert als Aktionstag seit letzter Woche und startet heute richtig durch. Katharina Seiser hat alle Blogger und Rezepteschreiber dazu aufgerufen, ab jetzt immer Freitags Gedanken zu rein pflanzlichen Gerichten zu posten. Eine Reaktion auf ihren Selbstversuch, sich als bekennende Allesesserin und Genussmensch 21 Tage lang vegan zu ernähren.

Der Begriff ist bewusst so gewählt, dass sowohl „Tierfrei-Tag“, als auch „Tier-Freitag“ gelesen werden kann.“Tierfrei“ deshalb, da „vegan“ als Begriff für Frau Seiser zu heikel und zu dogmatisch besetzt zu sein scheint. Des weiteren soll zwar ein Augenmerk auf rein pflanzliche Ernährung gerichtet werden, zeitgleich aber auch solche Projekte, die nachhaltige Fleischproduktion ermöglichen, porträtiert werden.

Als ich das erste Mal über den Tierfreitag gestolpert bin, war ich hell auf begeistert. Doch dann stellte sich mir die Frage, ob dieser Tag wirklich so etwas neues und tolles ist. Schließlich gibt es schon einige Aktionstage, die dazu bringen wollen, pflanzliche Ernährung in unseren allgemeinen Allesesser – Speiseplan einzubauen.

Ich beziehe mich dabei auf den „meat less monday“ und den „vegetarischen Donnerstag“. Erster wird seit 2003 vermehrt weltweit benutzt und wendet sich an die gesamte Bevölkerung mit der Hoffnung, das das Weglassen von Fleisch an einem Tag pro Woche zu einer Reduzierung vieler sozialer wie auch ökonomischer und ökologischer Probleme führt, die durch die klassische Ernährungsweise hervorgebracht werden. Mit dem vegetarischen Donnerstag machte dann 2009 die Stadt Gent in Belgien Furore. Hier wird in Mensen öffentlicher Einrichtungen, wie Schulen und Kindergärten, Donnerstags der Speiseplan auf pflanzliche Ernährung gerichtet. Schnell übernahmen viele Städte, ins besondere in Deutschland, die Idee.

Bewusst wurde bei all diesen Aktionstagen der Freitag ausgespart. Der Freitag ist traditionell schon durch den Speiseplan einiger Religionen (Christentum: kein Fisch) belegt und vegetarische Ernährung soll bei diesen Aktionstagen nicht mit Religion in Verbindung gebracht werden. Montag ist ein klassischer Tag um aktiv mit neuen Vorsätzen in die Woche zu starten.

Was ist also neu am Tierfreitag?

Da der Begriff „Tierfreitag“ neu und unbenutzt vor uns steht, soll er uns allen ermöglichen sich dem Thema pflanzlicher Ernährung von einer „undogmatischen“ Seite zu nähern. Zweitens soll er „positiv Beispiele“ tierischer Haltung in den Vordergrund lenken. Fertigprodukte, Aromen und Convenienceprodukte, wie veganen Fisch und vegane Hühnchen, gelten ebenfalls als ausgeschlossen.

Die Zielgruppe sind (noch) nicht die einzelnen Konsumenten, sondern Blogger und alle Netzfoodies. Gerade die Allesesser unter uns Bloggern, sollen sich kreativ an genussvoller Gemüseküche austoben. Folglich eine gute Idee, die sicher das ein oder andere sehr spannende neue Rezept anregen wird. Auch ich habe für meinen Blog durch den Tierfreitag schon jetzt einen neuen Kreativitätsschub erhalten. Die Zielgruppe und vor allem deren Zielgruppe erklärt wiederum, wie es dann doch ein Freitag werden konnte: Am Wochenende werden Blogartikel zahlreicher gelesen und es gibt Zeit auch aufwändigere Gerichte nachzukochen.

Die betonte „nicht dogmatische“ Haltung des Tierfreitags führt in meinen Augen allerdings dazu, dass der Begriff „vegan“ und alle, die sich als Veganer bezeichnen erst recht als komische Spinner und Fanatiker dargestellt werden. Diesen Beigeschmack finde ich schade und keinesfalls notwendig. Auch wenn ich diesen Beigeschmack schade finde, so ist mir die Schwierigkeit des Begriffes „vegan“ bewusst. Als Leser meines Blogs wisst Ihr sicher, dass auch ich vegane Rezepte lieber unter „rein pflanzlich“ vertagge. Das liegt daran, dass es wertneutraler ist und auf einen Blick klar, welche Zutaten ausgeschlossen werden. Es gibt einfach immer noch zu viele Menschen, die nicht genau wissen was der Begriff „vegan“ alles umfasst.

Unabhängig von dieser Debatte begrüße ich es dennoch, wenn durch den Tierfreitag, ähnlich wie beim meatless Monday oder dem vegetarischen Donnerstag, eine breitere Masse angesprochen werden kann. Wir sollten die Entwicklung des Tierfreitags auf jeden Fall gespannt verfolgen. Wenn Ihr selber Artikel und Rezepte zum Thema verfassen wollt/ suchen wollt, bedient euch dem Hashtag #Tierfreitag. Am Ende entsteht so vielleicht eine wilde Rezeptsammlung, ganz unterschiedlicher Ess – begeisterter Menschen, die Allesessern eine einfache Möglichkeit bietet sich mit rein pflanzlicher Ernährung auf genussvolle Weise bekannt zu machen.

Ich habe meine tierfreien Rezepte nicht umkategorisiert, passende Rezepte und tierfreie Rezepte, die nicht an einem Freitag gepostet werden, findet Ihr in meiner Rubrik: rein pflanzlich (vegan)

Interessante Links und Quellen zum Thema:

Der Tierfreitag auf esskultur mit genauer Info für alle Blogger: hier klicken

Zur allgemeinen Übersicht und Sammelstelle aller Beiträge zum Tierfreitag: gibt es hier

mehr zum vegetarischer Donnerstag und meatless Monday (wiki)